Markentreue zwischen Risikoaversion und Abwechslungsappetenz

Marken Tips

Für jeden Markenartikelanbieter ist Markentreue eines der wichtigsten Sachziele. Das Ausmaß der Markentreue hat unmittelbaren Einfluß auf die Rentabilität der Kommuni­kationsaufwendungen und damit auf den Erfolg von Marketingmaßnahmen und die Gewinnsituation.

Markentreue bedeutet Bindung des Kunden an die Marke. Diese Bindung kann nur erreicht werden, wenn der Kunde bei jedem neuen Kauf sicher ist, daß der Wechsel zu einer anderen Marke seinen Nutzen nicht steigern würde. Wie kann dieses Bewußtsein erreicht werden? Der Kunde tritt mit einem ganzen Bündel von Erwartungen auf dem Markt auf. Ein Teil davon ist ganz spezifisch für die Produktkategorie und ein anderer Teil von Erwartungen ist grundsätzlich bei Kaufhandlungen vorhanden, egal welche Art Kaufhandlung der Kunde auch tätigt. Der Nutzen einer Marke ist davon abhängig, inwieweit die Marke diese Erwartungen befriedigt. Wir wollen uns hier vor allem mit dem zweiten Komplex von Erwartungen beschäftigen, um den hier getroffenen Aussagen eine möglichst große Allgemeingültigkeit zu verschaffen. In der Praxis sind in jeder Produktkategorie die Implikationen durch den ersten, spezifischeren Erwartungskomplex zusätzlich zu überprüfen. Die Auswirkungen durch den ersten Erwartungskomplex können, je nach Produktkategorie, die hier formulierten Ergebnisse unterschiedlich stark verfälschen.

Zu dem zweiten Erwartungskomplex wollen wir im folgenden zwei Teilklassen von Erwartungen zählen.

Inwieweit kann ich durch den Kauf der Marke mein Risiko (zeitlich, sozial, physisch, psychisch, finanziell, funktionell) reduzieren.

Inwieweit kann ich durch den Kauf der Marke mein Bedürfnis nach Abwechslung befriedigen.

Es ist ein durch die Aktivationstheorie begründeter Antrieb, sich immer wieder neuen Reizen auszusetzen oder bekannte Reize auf neue Aspekte hin zu “erforschen”. Dieses Verhalten ist auch im Rahmen von Kaufhandlungen zu beobachten. Wie anders sollte man sonst begründen, daß ein Produkt, das immer verfügbar ist und mit dem der Konsument seine Bedürfnisse befriedigen kann, nicht bis an das Ende seines Lebens weiter gekauft wird. Eine mögliche Erklärung sind sicher verbesserte Angebote. Oft findet aber auch ein Wechsel zwischen Produkten statt, die weitgehend die gleichen Produktleistungen bieten. Lern­theoretisch würde man vermuten, daß der Konsument die Handlung, für die er verstärkt wurde, nämlich den Kauf des zufriedenstellenden Produktes X, weiter ausführt, solange keine Erwartung besteht, daß ein Produkt Y seine Bedürfnisse besser befriedigt. Dies ist bei gleichen Produktleistungen nicht zu erwarten. Und trotzdem finden in der Realität nicht selten Wechsel zwischen vergleichbaren Produkten statt, die nicht durch die Produktleistung zu begründen sind. Die naheliegende Vermutung ist: Der Konsument ist motiviert, nachdem er sich mit seinem gewohnten Produkt auseinandergesetzt hat, dessen Reize kennt und sich daran gewöhnt hat, etwas Neues kennenzulernen. Er wird ein anderes Produkt oder eine andere Marke ausprobieren. Dies verschafft ihm unter Umständen eine große Anzahl neuer Reize, wodurch sein Bedürfnis nach Abwechslung befriedigt wird.

Warum wechselt der Konsument dann aber nicht nach jeder Konsumtion seine Marke, um immer wieder sein Bedürfnis nach Abwechslung zu befriedigen. Die Befriedigung eines Bedürfnisses oder eines Motivs bewirkt eine Verstärkung und müßte eigentlich zu einem häufigeren Auftreten dieses Verhaltens führen. Der Grund liegt in einem weiteren menschlichen Antrieb begründet, der Risikoaversion. Der Konsument hat ein gewisses Maß an Risiko, daß er akzeptiert; jedes weitere Risiko empfindet er als aversiv und versucht ihm aus dem Weg zu gehen. Nun ist aber jeder Markenwechsel mit einem Risiko verbunden. Dabei sind verschiedene Risikodimensionen denkbar, deren Gewichtung sicher interpersonell ganz verschieden sein kann. Je besser der Konsument seine gewohnte Marke kennt, desto mehr kann er die verschiedenen Risikodimensionen in bezug auf diese Marke ausschließen. Ein Wechsel zu einer unbekannten Marke würde dann immer ein Anstieg des Risikos bedeuten. Damit wäre jeder Wechsel zu einer neuen Marke mit einem Strafreiz verbunden und müßte eigentlich unterbleiben.

Durch die bisher dargestellten Zusammenhänge wird deutlich, daß der Konsument sich in der Kaufsituation einem Konflikt ausgesetzt sieht. Soll er seinem Trieb nach Abwechslung folgen und etwas Neues ausprobieren oder soll er zur Vermeidung von Risiken bei der gewohnten Marke bleiben. Wenn die beiden Einflüsse in bezug auf ihre aktivationstheoretischen und emotionalen Grundlagen näher untersucht werden, dann können gewisse Hypothesen über die Lösung dieses Konfliktes aufgestellt werden.

Die Wahrnehmung neuer Reize führt eher zu positiven Affekten und die Wahrnehmung risikogeladener Entscheidungssituationen eher zu negativen Affekten. Beide Affekte sind jedoch im Regelfall nicht getrennt voneinander wirksam, sondern heben sich gegenseitig auf. Denkbar ist zum Beispiel eine “subtraktive Aufrechnung” der beiden Affekte. Sowohl die Reizeigenschaften, als auch die Risikobewertung der aktuellen Marke ändern sich mit zunehmender Gewöhnung an dieselbe. Da zu vermuten ist, daß sich die Bewertung sowohl der Reizeigenschaften als auch der Risikoeigenschaften der Marke im Zeitablauf nicht linear, sondern eher kurvilinear verändern wird, kann es unter bestimmten Bedingungen zu einer im Zeitablauf zunächst ansteigenden und dann wieder abfallenden Markentreue kommen. Diese Entwicklung von markentreuem Verhalten konnte empirisch schon nachgewiesen werden.

Aus dem bisher Gesagten können nützliche Hinweise für die Ausgestaltung der Marken­politik gezogen werden, die hier in einem Satz zusammengefaßt werden sollen: “Gestalte Deine Marke so abwechslungsreich wie möglich und versuche dabei das perzipierte Risiko des Konsumenten so gering wie möglich zu halten.” Dieser an sich triviale Satz gewinnt seine Bedeutung im Marketing vor allem dadurch, daß davon ausgegangen wird, daß die beiden betrachteten Einflußfaktoren strikt getrennt voneinander zu beeinflussen sind. Damit kann die Neuartigkeit der Marke sehr stark gesteigert werden, solange mit Hilfe welcher absatzpolitischen Instrumenten auch immer, die Risikoempfindung niedrig gehalten wird. Die steigende Neuartigkeit führt unter dieser Bedingung zu einer steigenden affektiven Bewertung der Marke.

Mehr unter markentreue.com.

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Marken-Ehrlichkeit

Angebote, Marken Tips
  • Sie möchten wissen, warum Ihr letzter Marken-Launch oder Ihre letzte Werbe-Kampagne gefloppt ist.
  • Sie möchten die Effektivität Ihrer Markenführung verbessern.
  • Sie möchten die innerbetriebliche Kommunikation über Marketing-Themen verbessern.


… dann würde ich mich über eine Kontaktaufnahme sehr freuen. In einem ersten unverbindlichen Gespräch könnten wir überlegen, wie man den optimalen Prozess wieder in Gang bringen kann.

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Ist Ihr letzter Marken Launch gefloppt?

Marken-Ehrlichkeit

Marken Management Konzept

Markenlaunch gefloppt? Werbekampagne erfolglos? – Markenpolitik ist Chefsache!

Sie sind ein erfahrener Markenartikel Anbieter und trotzdem ist der Launch einer neuen Marke gefloppt? Sie haben hohe Investitionen in Produktentwicklung und Kommunikation getätigt und das Ergebnis ist nicht wie prognostiziert? Der Grund ist NICHT beim Konsumenten zu suchen. Meist ist der Grund in politischen Abhängigkeiten zwischen den Beteiligten im Markenmanagement zu finden. Diese internen politischen Abhängigkeiten müssen aufgedeckt werden, um die Markenpolitik in die richtige Richtung zu lenken. Den Konsumenten interessieren firmeninterne Abhängigkeiten nicht.

Der Konsument belohnt mit seiner Kaufentscheidung nur optimal auf ihn abgestimmte Angebote.

Mit großer Sicherheit ist das notwendige Wissen für erfolgreiche Markenführung schon in Ihrem Unternehmen vorhanden, wurde jedoch durch politische Abhängigkeiten verfälscht. Gerne stehe ich Ihnen als Moderator und im Notfall auch als Sündenbock zur Verfügung, der mit marken-psychologisch fundiertem Wissen die richtigen Schritte einleitet, um den Markenführungsprozess wieder auf die richtige Bahn zu führen.
Es ist wichtig, sich vorher bewusst zu sein, dass der Chef zwar immer das Risiko trägt, aber nicht immer recht hat! Dieses Dilemma zu lösen, sehe ich als meine Aufgabe an – nachher sollen alle zufriedener sein – der Chef, das Markenmanagement und vor allem der Konsument.

Der schwerste Schritt ist sicher, sich den Misserfolg einzugestehen und dann noch einen externen Berater hinzuzuziehen. Denken Sie jedoch an die hohen Investitionen, die gesichert werden können.

Beispiele aus der Praxis:
Markenführung alles Käse
Ein internationaler Konsumgüter-Konzern bietet seit vielen Jahren ein sehr erfolgreiches Lebensmittel-Produkt an. Unter einer Dachmarke werden verschiedene Line-Extensions erfolgreich angeboten. Jede der Line Extensions wird erfolgreich von erfahrenen Produktmanagern in internationalen Märkten geführt. Die Produktmanager sind nicht nur für die Produktpolitik zuständig, sondern auch ausgewiesene Spezialisten für Markenführung. Über Jahre ist es Ihnen gelungen, mit der Marke ein eigenes Marktsegment zu schaffen, das von der eigenen Marke dominiert und von anderen nur imitiert wird. Über den Produktmanagern ist ein Marketing-Direktor angeordnet und für die Abteilung verantwortlich. Dieser ist nicht nur für diese Marke, sondern für alle Marken des Unternehmens zuständig. Eines Tages hat er eine „geniale Idee“. Aufgrund eigener Erfahrungen, vorhandener Produktionskapazitäten und Entwicklerkompetenzen gibt er einen Auftrag an das Produktmanagement. Es soll ein neues Produkt unter der bestehenden Marke gelauncht werden. Das neue Produkt sollte die Spitze der Produktentwicklung werden und in andere Marktsegmente vorstoßen. Mit enormem finanziellen Aufwand wurde ein komplett neues Spitzen-Produkt entwickelt.
Der Haken war, dass das neue Produkt in Bezug auf seine Eigenschaften nicht in das Markenimage der bestehenden Marke paßte, sondern den dort gelernten Image-Dimensionen sogar widersprach. Dies war im Brand-Management auch bekannt und war durch vorhergegangene erfolglose Launches schon bewiesen.
Da die Anweisungen des Marketingdirektors eindeutig und umumstößlich waren, wurde so lange an logisch abgeleiteten Marken-Konzepten gebastelt, bis das neue Produkt doch unter die Marke paßte. Leider wurde nur der wichtigste Faktor vergessen – der Konsument und seine Psycho-Logik. Diese Psycho-Logik lehnte diese neue Line-Extension ab.
Ohne externe Hilfe war hier keine Lösung möglich.
Heute ist das neue Produkt wieder vom Markt verschwunden. Es war ein hervorragendes Produkt. Eine neue Marke in dem angrenzenden, sehr kompetitiven Marktsegment dafür aufzubauen, wäre jedoch zu kostspielig gewesen. Unter der existierenden Marke hätte es die bestehende Marke verwässert und damit mehr Schaden als Nutzen angerichtet.

Was lernen Sie aus diesem Beispiel für das eigene Unternehmen?

Ein Zückerchen für den alten Gaul
Ein internationaler Süßwarenkonzern ist weltweit erfolgreich mit hochwertigen Marken-Süßwaren. Solide, langfristig angelegte Markenführung ist für alle Produkte genauso wichtig wie hohe Produktqualität. Durch den Erfolg der Firma waren genug finanzielle Ressourcen vorhanden, den Launch einer komplett neuen Marke zu wagen. Ein solcher Schritt in einem internationalen Umfeld und kompetitiven Markt bedeutet Investitionen in Produktionskapazitäten und Werbeausgaben in zweistelliger Millionenhöhe. Da dieser Marken-Launch ein Angriff auf eine international sehr umkämpfte Marktnische gewesen wäre, erfolgte die Entwicklung des Produktes und der Werbekampagne in aller Stille und nur wenige Personen innerhalb des eigenen Unternehmens waren informiert. Den ältesten und marken-erfahrenen Hasen des Unternehmens wurde die Chance gegeben, noch einmal ihr Bauchgefühl zu aktivieren. Das Ergebnis war ein hervorragendes Produkt.
Leider wurde beim Launch des Produktes ein Anfängerfehler gemacht, der nicht passiert wäre, wenn bei der Entwicklung nicht Seniorität und Geheimhaltung, sondern psychologische Kompetenz und Erfahrung zur Anwendung gekommen wären. Leider war es in der Kommunikation mit den „alten Hasen“ jedoch nicht möglich, offen seine Meinung zu sagen. Das Ergebnis war eine wunderschöne Launchkampagne, die leider als Imagekampagne und nicht als Lauch-/ Produktkampagne angelegt war. Die Konsumenten haben also nicht verstanden, was das Produkt ist.
Heute ist die Marke nicht mehr auf dem Markt. Die Produktionskapazitäten werden für die Produktion von Handelsmarken genutzt.

Was lernen Sie aus diesem Beispiel für das eigene Unternehmen?

… und so weiter …
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